Karakorum: Die Rekonstruktion der „Großen Halle“
About the project

Karakorum in der Mongolei, ca. 320 km westlich der Hauptstadt Ulaan Baatar gelegen, ist eine mittelalterliche Stadtwüstung, die in einem deutsch-mongolischen Kooperationsprojekt seit 2000 erneut ausgegraben wird. Die Grabungen konzentrieren sich auf eine Terrasse, auf welcher eine große Halle konstruiert war. Nach Auswertung der Grabungsergebnisse ist davon auszugehen, dass es sich bei der in Karakorum freigelegten großen Halle um einen Tempelbau handelt. Aufgrund der untersuchten Wandmalerei als auch anhand der Bauplastik kann von einer Datierung ins 12.- 14. Jahrhundert ausgegangen werden. Es handelt sich um eine einphasige Anlage, die jedoch mehreren Umbau- oder Ausbesserungsmaßnahmen unbekannten Ausmaßes unterzogen wurde.

Merkmale tibetischer Beeinflussung in der Anlage des Zentraltempels sind dabei vor allem in dem am Ideal des Mandala gestalteten Grundriß zu suchen, der sich bei der „Großen Halle“ von Karakorum aus einer quadratischen Grundform und differenzierter Innengliederung zusammensetzt. Der Mittelpunkt des Gebäudes erfuhr durch einen zentralen Stupa eine besondere Betonung. Auch die Gesamtausrichtung der Anlage mit ihren nach Norden, Süden, Osten und Westen zeigenden Gebäudeecken unterstützt die religiöse Funktion.

Die Rekonstruktion wurde mit Hilfe einer Animation in Szene gesetzt, um den komplizierten Aufbau der Terrasse, sowie der chinesisch und tibetisch beeinflussten Architektur erklären zu können. Besonderes Augenmerk wurde aber auch auf die genaue Umsetzung des archäologischen Befundes gelegt. Die Animation soll in einem nahe gelegenen Museum zu sehen sein, die Übersetzung des erklärenden Textes ins Mongolische ist daher selbstverständlich. Zum besseren Verständnis ist die Animation in vier Teile aufgeteilt: Lage des Fundortes, Archäologischer Befund, moderne Erhaltungsmaßnahmen und Rekonstruktion der „Großen Halle“.

Literature
Franken, C. 2015: Die "Grosse Halle" von Karakorum. Zur archäologischen Untersuchung des ersten buddhistischen Tempels der alten mongolischen Hauptstadt, Forschungen zur Archäologie Außereuropäischer Kulturen 12, Wiesbaden (im Druck).

Project
3D-Visualisierung, wissenschaftliche Rekonstruktion, Animation, Info-Grafiken
Client
Dr. Christina Franken, Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen (KAAK), Deutsches Archäologisches Institut (DAI), Bonn
Status
2015 fertig gestellt
Die Animation erklärt den Aufbau der Terrasse und die Rekonstruktion der sich darauf befindlichen "Großen Halle". Das Video wurde für ein Museum vor Ort konzipiert und weist daher keinerlei Ton auf.
Die moderne Überbauung der archäologisch erfassten Terrasse bietet Besuchern in Zukunft eine hautnahe Erfahrung der Dimensionen der "Großen Halle".
Das komplizierte an chinesischer und tibetanischer Architektur angelehnte Fachwerk wurde für die Rekonstruktion nachgebaut und den Außenfassaden zu Grunde gelegt.