Uruk: (Re-)Konstruktion des Steinstiftgebäudes
Über das Projekt

Uruk/Warka, im heutigen Irak, ist eine der ersten urbanen Siedlungen der Welt und war über annähernd fünf Jahrtausende kontinuierlich besiedelt, vom 4. Jt. v. Chr. bis zum 1. Jt. n. Chr. Der Ort ist unter anderem für die Entwicklung der Keilschrift zur sogenannten späten Uruk-Zeit, am Ende des 4. Jt. v. Chr., bekannt. Zu dieser Zeit erstreckte sich die Stadt bereits über die enorme Fläche von etwa 2,5 km². Auch in der Architektur nahm Uruk in dieser Phase mit dem Aufkommen großer repräsentativer Gebäudekomplexe eine rasante Entwicklung.

Über die Funktion und Bedeutung dieser frühen Monumentalarchitektur lässt sich bis heute nur spekulieren. Vor allem das sogenannte Steinstiftgebäude gibt den Forschern aufgrund seines Aufbaus und Grundrisses Rätsel auf.

Die einzigartige Konstruktionsweise dieses Gebäudes ist bislang ohne Parallelen, weder in Uruk selbst noch sonst irgendwo auf der Welt. Während alle anderen Gebäude der Region Lehmziegel als Baumaterial verwenden, bestehen die Mauern des Steinstiftgebäudes aus einem zementartigen Kunststeingemisch, welches in mehreren Lagen aufgebaut ist. Zwischen jede der Kunststeinlagen wurden als Befestigungsgrundlage für die Verputzschicht tausende gelochter Keramikplättchen, sog. Biberschwänze, gesetzt. In die Verputzschicht selbst wurden hunderttausende verschiedenfarbiger konischer Steinstifte in geometrischen Mustern vermauert, welche die Mosaikfassade des Gebäudes bildeten.

Zusammen mit Professor Eichmann, der sich als Experte für diese frühe Architektur bereits seit Jahren mit dem Steinstiftgebäude beschäftigt hat, versuchten wir im Detail den gesamten Bauprozess des Gebäudes auf Grundlage des archäologischen Befundes zu rekonstruieren. Das Ergebnis dieser Arbeit ist eine fünfminütige Animation, welche den gesamten Konstruktionsprozess des Gebäudes erklärt, von der sorgfältigen Fundamentierung bis hin zu Überlegungen bezüglich der Funktion einzelner Installationen. Jeder Schritt des rekonstruierten Bauprozesses wird dabei im Detail gezeigt und vermittelt einen Eindruck des ungeheuren Arbeitsaufwandes, der diesem einzigartigen Bauprojekt zugrunde liegt.

Das 3D-Modell half uns dabei, das Gesamtvolumen des benötigten Baumaterials für das Steinstiftgebäude zu ermitteln. Die Berechnungen ergaben eine seitenlange Liste mit Zahlen und Maßen. Um diese sichtbar zu machen, experimentierten wir mit verschiedenen Darstellungsformen und erarbeiteten eine Infografik, die denselben Inhalt auf einen Blick vermittelt und zusätzlich einen konkreten Eindruck von den Größenverhältnissen dieses enormen Bauvorhabens bietet.

Literatur
Boehmer, R.M. 1990: Zur Funktion des Steinstifttempels in Uruk nach Befunden der Kampage 39, in: BaM 21, 49-66.

Eichmann, R. 2007: Uruk. Architektur I. Von den Anfängen bis zur frühdynastischen Zeit (=AUWE 14), Textteil und Beilagen, Rahden.

Eichmann, R. 2013: Frühe Grossarchitektur der Stadt Uruk, in: Crüsemann, N. et al. (Eds.), Uruk - 5000 Jahre Megacity. Ausstellungskatalog, Petersberg, 117-127.

Projekt
3D-Visualisierung, wissenschaftliche Rekonstruktion, Animation, Infografiken
Kunde
Prof. Dr. Ricardo Eichmann, Orient-Abteilung, Deutsches Archäologisches Institut (DAI), Berlin
Status
2012 fertig gestellt
Das fünf Minuten lange Video zeigt die Entstehung des Steinstiftgebäudes. Das Video wurde für die Ausstellung "Uruk - 5.000 Jahre Megacity" konzipiert und weist daher keinerlei Ton auf.
Der Schnitt zeigt die innere Raumstruktur des Steinstiftgebäudes und einige Installationen.
Die Umfassungsmauer war auf ihrer Innenseite mit einem Mosaik aus farbigen Tonstiften dekoriert.
Die Infografik zeigt die Gesamtmenge verschiedener Baumaterialien, die, basierend auf unserer Rekonstruktion, für die Errichtung des Steinstiftgebäudes Verwendung fanden.