Uruk Visualisierungsprojekt: Der Weisse Tempel
Über das Projekt

Uruk/Warka, im heutigen Irak, ist eine der ersten urbanen Sied­lungen der Welt und war über annähernd fünf Jahrtausende kontinuierlich besiedelt.

Im westlichen Teil des Zentrums wurde die Abfolge mehrerer Phasen einer Terrasse entdeckt, die von den Aus­grä­bern als „Anu-Zikkurat“ bezeichnet wurde. Mindestens zehnmal wurde diese erweitert und erhöht bis sie etwa eine Höhe von 12 m erreichte.

Dieser letzte Bauzustand wies durch die zahlreichen Umgestaltungen einen polygonalen Umriss, geböschte Wände sowie einen Treppen­aufgang auf. Die Oberfläche der Terrasse hatte ein Ausmaß von ca. 45 x 50 m. Auf ihr fanden sich Reste eines elaborierten Mittel­saal­gebäudes, des sog. „Weißen Tempels“.

Das Gebäude hatte weiß getünchte, durch Nischen gegliederte Wände, fest installierte Postamente, vielleicht Wandregale in einem Nebenraum sowie mehrere Treppenhäuser, die entweder in ein oberes Stockwerk oder auf das Dach führten. Die Errichtung des Gebäudes wurde durch Radiocarbondaten auf eine Zeit zwischen 3517 und 3358 v. Chr. datiert.

Im Rahmen der Rekonstruktion erarbeiteten wir eine ein- und eine zweistöckige Variante des „Weißen Tempels“ und orientierten uns dabei stark an den Ausgrabungsbefunden. Die Fassadengestaltung und -proportionen übernahmen wir von einem in einer Ecke dieses Gebäudes gefundenen Tempelmodells aus Stein, dessen Grundriss ziemlich genau mit dem des tatsächlichen Gebäudes übereinstimmt.

Die Ergebnisse unserer Arbeit waren 2013/14 im Rahmen einer großen Ausstellung über Uruk (‘Uruk – 5000 Jahre Megacity’) im Pergamon-Museum in Berlin und im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen.

Literatur
Eichmann, R. 2007: Uruk. Architektur I. Von den Anfängen bis zur frühdynastischen Zeit (=AUWE 14), Textteil und Beilagen, Rahden.

Eichmann, R. 2013: Frühe Grossarchitektur der Stadt Uruk, in: Crüsemann, N. et al. (Eds.), Uruk - 5000 Jahre Megacity. Ausstellungskatalog, Petersberg, 117-127.

van Ess, M. 2013: Neue Radiocarbondatierungen aus Uruk, in: Crüsemann, N. et al. (Eds.), Uruk - 5000 Jahre Megacity. Ausstellungskatalog, Petersberg, 362-363.

Projekt
3D-Visualisierung, wissenschaftliche Rekonstruktion, Infografiken
Kunde
Dr. Margarete van Ess, Orient-Abteilung, Deutsches Archäologisches Institut (DAI), Berlin
Status
2012 fertig gestellt
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Innenansicht der zweistöckigen Variante des "Weißen Tempels". Ein Podest in der Mitte diente vielleicht als Räucheraltar.
Detailansicht der zweistöckigen Variante des "Weißen Tempels" auf dem Grundrissplan.
Schnitt durch den Mittelsaal des "Weißen Tempels". In flachen Gruben vor den Türdurchgängen rekonstruierten wir hölzerne Türblätter.