Uruk Visualisierungsprojekt: Die späte Uruk-Zeit
About the project

Uruk/Warka, im heutigen Irak, ist eine der ersten urbanen Siedlungen der Welt und war über annähernd fünf Jahrtausende kontinuierlich besiedelt, vom 4. Jt. v. Chr. bis zum 1. Jt. n. Chr. Der Ort ist unter anderem für die Entwicklung der Keilschrift zur sogenannten späten Uruk-Zeit, am Ende des 4. Jt. v. Chr. bekannt. Zu dieser Zeit erstreckte sich die Stadt bereits über die enorme Fläche von etwa 2,5 km². Auch in der Architektur nahm Uruk in dieser Phase mit dem Aufkommen großer repräsentativer Gebäudekomplexe eine rasante Entwicklung.

So enthüllten die Ausgrabungen eine große Zahl verschiedener Monumentalbauten, deren architektonischer Aufbau bis heute fast ohne Parallelen ist. Da das Lehmziegelmauerwerk dieser Gebäude häufig nur wenige Zentimeter hoch erhalten ist, war diese bemerkenswerte Architektur in der Vergangenheit jedoch nur wenigen Experten zugänglich und blieb der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.

Um in dieser Hinsicht Abhilfe zu schaffen, wurde unter der Leitung von Dr. Margarete van Ess vom Deutschen Archäologischen Institut in Berlin das Uruk-Visualisierungs-Projekt ins Leben gerufen, an dessen Umsetzung wir beteiligt waren. Ziel des Projektes ist die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Rekonstruktionen der Architektur Uruks auf der Basis virtueller 3D-Modelle. In Form der anschaulichen Visualisierungen kann die einzigartige Architektur Uruks auf diese Weise nun erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden.

Die Visualisierungen für die späte Uruk-Zeit umfassen folgende Gebäudekomplexe: Gebäude C und B, die Pfeilerhalle, den Hallenbau, den Großen Hof und einige umgebende Strukturen. Die Rekonstruktion dieser frühen Architektur, die in diesem Umfang zum ersten Mal unternommen wurde, war aufgrund fehlender Parallelen zu diesen frühen Bauten sowie ihres teilweise schlechten Erhaltungszustandes eine große Herausforderung.

Für jedes Gebäude wurden daher mehrere Rekonstruktionsmöglichkeiten diskutiert und anhand des 3D-Modells getestet. Die wahrscheinlichste Variante wurde von uns dann für die hochauflösende Visualisierung detailliert ausmodelliert und texturiert. Wir entwickelten zudem zahlreiche Infografiken, um bestimmte Konstruktionselemente und architektonische Details zu erläutern. Außerdem ist eine 3D-Animation entstanden, welche die verschiedenen Gebäudekomplexe vorstellt und anschaulich das räumliche Verhältnis der Bauten zueinander sowie die Innenwirkung einzelner Gebäude vermittelt.

Die Ergebnisse unserer Arbeit waren 2013/14 im Rahmen einer großen Ausstellung über Uruk (‚Uruk – 5000 Jahre Megacity‘) im Pergamon-Museum in Berlin und im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen.

Literature
Eichmann, R. 2007: Uruk. Architektur I. Von den Anfängen bis zur frühdynastischen Zeit (=AUWE 14), Textteil und Beilagen, Rahden.

Eichmann, R. 2013: Frühe Grossarchitektur der Stadt Uruk, in: Crüsemann, N. et al. (Eds.), Uruk - 5000 Jahre Megacity. Ausstellungskatalog, Petersberg, 117-127.

Hageneuer, S. 2014: The visualisation of Uruk - First impressions of the first metropolis in the world, in: Börner, W./Uhlirtz, S., Proceedings of the 18th International Conference on Cultural Heritage and New Technologies 2013 (CHNT 18, 2013), Vienna.
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Project
3D-Visualisierung, wissenschaftliche Rekonstruktion, Animation, Infografiken
Client
Dr. Margarete van Ess, Orient-Abteilung, Deutsches Archäologisches Institut (DAI), Berlin
Status
2011 fertig gestellt
Schnitt durch das Gebäude C in Uruk. Diese Rekonstruktionsvariante zeigt zweigeschossige Raumtrakte. Der Mittelsaal des Kopfbaus ist bei dieser Variante nicht erhöht rekonstruiert.
Ein Blick in den Mittelsaal des Kopfbaus von Gebäude C zeigt die Deckenkonstruktion aus Balken und Schilfmatten.
Die Infografik zeigt die Deckenkonstruktion der Räume in Gebäude C.
Das Video zeigt das komplexe Stadtzentrum der späten Uruk-Zeit. Das Video wurde für die Ausstellung "Uruk - 5.000 Jahre Megacity" konzipiert und weist daher keinerlei Ton auf.